These: Bürgernetz im Zweckverband

Es wird sehr viel über das Netz gesprochen. Und ehrlich: Nicht wenige von uns wären froh, Sie könnten das Thema delegieren. Komplex, Antragsflut, Unsicherheit im Thema. Das alles führt dazu, das ganze den etablierten Konzernen zu überlassen. Aber ist das richtig? Muss nicht bei der Bedeutung, die das Netz hat, eigentlich das Netz in Bürgerhand bleiben, weil es ein Stück Daseinsvorsorge ist?

Ich meine JA! Das muss es. Und wenn wir dies wollen, warum dann nicht wie beim Wasser oder Abwasser in einem Zweckverband oder einer Bürgergenossenschaft? Nein, es sind keine Kollektivierungsthesen und nein, es geht auch nicht um eine Kampfansage an die Monopole, dies es zweifelsohne inzwischen bereits gibt. Es geht um die Frage, ob eine Infrastruktur dieser Bedeutung rein kommerziell betrieben werden kann. Im ländlichen Raum sicher nicht, sonst würden die Fördermilliarden nicht fließen. Doch warum sollen wir mit öffentlichem Geld etwas bauen, das am Ende in private Verwertung fällt? Wir fördern derzeit ein unternehmerisches Risiko, denn wir schließen die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke. Dabei könnten wir etwas bauen, das den Bürgern gehört und sich nachhaltig selbst weiter finanziert. Zum einen, durch die Beiträge, die die Bürger für eine Leistung entrichten, die sie brauchen. Zum anderen für Unternehmen, die auf schnelles Netz angewiesen sind und ebenfalls dafür einen Beitrag leisten. Und zum Dritten für alle Mitbewerber, die ihre Produkte ebenfalls über unsere Netze anbieten und für die Durchleitung ebenfalls einen Obolus entrichten. Damit ist ein freies Netz gewährleistet, das jedem gleichberechtigt Marktzugang verschafft und sich zugleich aus den Erlösen selbst finanziert. Das wäre nachhaltig und funktioniert ja zu Teilen in anderen Bereichen inzwischen ähnlich. Wasser und Abwasser z.B. befinden sich in einem solchen Verband und werden zum gegenseitigen Nutzen so behandelt.  Und auch für unsere Stromnetze erhalten wir eine Beteiligung der Versorger dafür, dass wir diese eingebracht haben. Wir alle profitieren von solchen Modellen und ich denke, auch und gerade beim Datennetz, der Zukunftsmaschine schlechthin, sollte dies der Anspruch sein.

Wir in Augustusburg versuchen, diesen Weg zu gehen. Wir wollen, dass das Netz in einer Genossenschaft im Besitz der Stadt und ihrer Bürger bleibt. So können die Bürger Telefonie, Breitband und TV über dieses Netz beziehen und durch ihre Beiträge dessen weiteren Ausbau selbst finanzieren. Rechenmodelle zeigen auf, dass dies durchaus funktionieren könnte. Damit wäre auch ein ganz entscheidendes Problem der Zukunft gelöst, denn wir alle wissen, dass sich die Anforderungen der digitalen Welt stetig entwickeln. Das offizielle Ausbauziel von 50 Mbit mag derzeit noch ausreichend sein. Bis wir dieses fertiggestellt haben, ist es überholt. Längst sind neue Standards beschlossen und 300 Mbit alleine für den Mobilfunk sind die nächste Stufe. 4K-Fernsehen, virtuelle Realitäten und Anwendungen der Augmented Reality fordern längst mehr Bandbreiten, als wir gerade planen. Wie aber wollen wir diesen Wettlauf in der Zukunft finanzieren? Förderung ist richtig und wichtig. Gerade in diesem Bereich. Wenn wir diese aber ergänzen könnten mit eigenen Erlösen aus der Nutzung heraus, würden wir langfristig auch nachhaltiger operieren und die Dynamik besser auffangen können.

Ich vergleiche dies gern mit dem Bau einer Autobahn. Kein Mensch käme auf die Idee, die 162 Bürgermeister zusammenzuholen, auf deren Gemarkungen eine Autobahn gebaut werden soll, um ihnen aufzutragen, für ihren Bauabschnitt für Förderung, Baurecht und Eigenanteil zu sorgen. Diese Infrastruktur wird zentral geplant und finanziert. Zu Recht, denn alles andere wäre ein heilloses Durcheinander. Bei den Datenautobahnen handeln wir aber so. Kommunen beantragen, planen, finanzieren ihren Teil. Und den Rest überlassen wir dem privaten Sektor. Ja, der Vergleich hinkt ein wenig. Das gebe ich gern zu. Dennoch trifft er den Kern des Problems ganz gut. Wir sollten also auf jeden Fall darüber nachdenken und dies diskutieren, denn die Digitalisierung stellt gerade die Weichen dieser Welt. Und gerade der ländliche Raum könnte von dieser Entwicklung enorm profitieren. Das Netz entkoppelt Arbeit, Zeit und Ort. Das bedeutet: Immer mehr Menschen arbeiten über das Netz, organisieren sich darüber anders, als es bisherige Firmenstrukturen abbilden. Neue Formen von Arbeit entstehen und bieten Menschen wieder die Möglichkeit, frei von bisherigen Zwängen ihren Lebensmittelpunkt zu definieren. Das ist eine riesige Chance, denn damit sind auch wir wieder interessant und erhalten einen Baustein zurück, der uns mehr und mehr abhanden kommt: Arbeit im Ort. Vor diesem Hintergrund wird schnell klar, welche Dimension dieses Thema in sich birgt. Wir sollten versuchen, diese Chancen gemeinsam zu nutzen und Strukturen gemeinsam zu schaffen, die uns allen nützen. Das Netz endet nicht an unseren Ortsausgängen. Es ist unsere Verbindung zur Welt. Wir sollten uns diese sichern.

 

 

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